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Der Küchentisch und die Verantwortung
Autor: Iris Görling
Datum: 07.04.2026
Kategorie: Führung & Personalentwicklung
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Wenn wir über Unternehmertum reden, geht es meistens um Visionen, um Wachstum oder um Freiheit. Aber wenn ich ehrlich bin, sah die Realität, mit der ich aufgewachsen bin, oft anders aus.

Ich bin mit Unternehmertum groß geworden. Nicht an der Spitze der Firma, sondern als Kind am Küchentisch. Ich habe die langen Abende mitbekommen, an denen die Firma wichtiger war als das Abendessen. Ich habe die Anspannung gespürt, wenn es eng wurde, und die unglaubliche Erleichterung, wenn eine Entscheidung aufgegangen ist.

Die Stimmen im Kopf eines Unternehmers fragen selten philosophisch nach dem Sinn des Lebens. Sie fragen eher: "Was ist nächsten Monat? Was passiert mit meinen Leuten und ihren Familien, wenn ich jetzt falsch abbiege?" Das ist eine massive, oft unsichtbare Verantwortung, die man jeden Tag mit sich herumträgt. Und die auch die eigene Familie mitträgt.

Heute sitze ich oft mit Führungskräften, Inhabern und Solopreneuren zusammen, die genau unter dieser Last funktionieren. Der Erfolg ist da, aber er fühlt sich an wie ein endloses "Tun müssen". Die Luft ist raus.

Egal ob ich mit gestandenen Unternehmern arbeite, Teams aus der Erstarrung hole oder Kindergeschichten schreibe – am Ende geht es für mich immer um dasselbe: den Menschen hinter der Funktion zu sehen.

Ich komme nicht mit dem nächsten generischen 3-Schritte-Masterplan, der dir verspricht, diese Last einfach wegzumachen. Ich optimiere auch niemanden, damit er sie noch effizienter tragen kann.

Meine Arbeit beginnt dort, wo die Strategie aufhört. Ich höre zu, sortiere das Chaos und halte den Raum, damit du überhaupt wieder spürst, wofür du das alles eigentlich machst. Und dann finden wir gemeinsam den Hebel, der aus dem "Tun müssen" wieder ein "Gestalten wollen" macht.