MITTELSTAND IN DEUTSCHLAND - BLOG
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Die wertvollste Information für Sie als Führungskraft liegt nicht in dem, was gesagt wird. Sie liegt im Schweigen.
Autor: Iris Görling
Datum: 09.04.2026
Kategorie: Führung & Personalentwicklung
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mir ist in den letzten Tagen ein Gedanke gekommen, der sich in meinen Gehirnwindungen hin und her bewegt und den ich hier versuche in Worte zu fassen:

Wenn ich mit Führungskräften spreche, höre ich oft von der Sehnsucht nach mehr Energie, nach mehr "Drive" im Team und auch in sich selbst.

Und ja, wir alle kennen die Management-Mantras: Reibung ist Energie. Konflikt ist gut und gleichzeitig ist es auch tröstlich, wenn zumindest oberflächlich das Gefühl herrscht, wir sind alle ganz harmonisch miteinander - auch wenn viele wissen, dass das was gesagt werden müsste, dadurch nicht gesagt wird.

Aber ganz ehrlich? Die meisten sind müde von diesen Diagnosen. Müde von Ratschlägen, die nicht sagen, wie man das morgen früh um 9 Uhr im Meeting konkret anders machen soll.

Und genau hier übersehen oft das Offensichtliche.

Das gefährlichste Geräusch im Meeting ist nicht das, was ausgesprochen wird. Es ist das Schweigen.

Zwischen all den Meetings, Zahlen und dem täglichen Feuerlöschen nehmen wir uns oft nicht den Raum für das, was nicht gesagt wird – aber genau dort entscheidet sich eure Wirksamkeit.

Im Moment sind die Herausforderungen da draußen wirtschaftlich und geopolitisch enorm. Ich merke es nicht nur in Gesprächen mit anderen, sondern auch an mir selbst: Ich spüre an manchen Tagen diese innere Unruhe – dieses Gefühl, nur noch zu reagieren. Und diese reine Reagieren macht etwas mit uns, egal welche Rolle wir innehaben.

Viele spüren gerade eine tiefe Verunsicherung. Und ich bin der festen Ansicht, dass sich dies direkt auf die Performance auswirkt – bewusst oder unbewusst.

Vielleicht ist das Schweigen in deinen Meetings gar kein Desinteresse. Vielleicht ist es Angst. Angst vor dem, was im Außen alles passiert – auf das wir keinen Einfluss haben und es doch täglich am eigenen Leib spüren. Das Gefühl, nur noch reagieren zu können, statt zu agieren.

Das betrifft vielleicht auch dich als Führungskraft. Und vielleicht ist deine Sorge nicht die vor dem Konflikt oder dem was ausgesprochen werden könnte, wenn der Raum dafür da ist, sondern die vor dem Kontrollverlust danach. Davor, ein Fass aufzumachen, das man im ohnehin schon dichten Tagesgeschäft nicht mehr zubekommt, ohne genauer hinzuschauen.

Deshalb möchte ich dir heute keinen komplexen Ratschlag geben. Tu nur eine einzige, konkrete Sache:

Beobachte das Schweigen.

Schau im nächsten Meeting nicht auf die, die reden. Schau auf die, die still sind. Bei welchem Thema? Wie sieht dieses Schweigen aus? Ist es Zustimmung, Resignation oder blockiertes Wissen?

Und dann fragst du. Nicht vor allen. Später. Unter vier Augen, nur eine ehrlich gemeinte Frage:

»Ich habe gemerkt, dass du vorhin so still warst. Mich würde wirklich interessieren, was dir gerade durch den Kopf geht – egal, ob es mit dem Thema zu tun hat oder mit etwas ganz anderem, das dich gerade beschäftigt.«

Ohne Vorwurf, ohne versteckte Agenda. Du musst in diesem Moment nichts lösen oder entscheiden. Deine einzige Aufgabe ist es, zuzuhören, um zu verstehen.

Denn hier geht es um Menschlichkeit. Es geht darum, sich einzugestehen, dass die Sorgen real sind. Dass wir alle spüren, wie uns die äußeren Umstände fordern.

Wenn du dieses Schweigen brichst, sendest du das stärkste Signal für echte, intrinsische Leistungsbereitschaft: »Ich sehe dich. Und was du denkst und fühlst, zählt hier.«

Vielleicht ist genau das, was es gerade braucht: einen sicheren Raum, in dem die Angst und Sorgen gezeigt werden dürfen. Damit wir wieder näher zusammenrücken. Damit die Hoffnung wächst, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam meistern können.

Nur so verwandelst du "Dienst nach Vorschrift" wieder in echtes "Wollen" aus dem Miteinander und dem Vertrauen heraus.

Kultur verändert sich nicht durch PowerPoint-Folien. Sie verändert sich durch solche Momente der Offenheit.

Und vielleicht verändert sich dabei auch etwas in dir selbst – wenn du merkst, welches Schweigen du bisher in dir übersehen hast und wie befreiend es sein kann, die eigene Sorge nicht mehr verstecken zu müssen.

Probier es diese Woche aus. Wenn du merkst, dass sich etwas verändert oder wenn du einfach mal vertraulich darüber sprechen möchtest, welches Schweigen in deinem Team herrscht: Melde dich bei mir.