Schauen wir uns die zweite Säule an.
Ein weiteres zentrales Element von QRM ist die konsequente Neuorganisation klassischer, funktional organisierter Abteilungen hin zu interdisziplinären, eigenverantwortlichen Zellen. Diese sogenannten QRM-Zellen (Quick Response Cells) sind das organisatorische Rückgrat der QRM-Strategie. Sie ermöglichen Unternehmen, schnell, flexibel und kundennah zu agieren, mit minimalem Koordinationsaufwand.
Abteilungen als funktionale Teams prägen nicht nur die Produktion, sie durchziehen das gesamte Unternehmen. Entwicklung, Einkauf, Vertrieb, Fertigung, Logistik Service und Verwaltung sind entlang fachlicher Zuständigkeiten organisiert. Jeder Bereich agiert in seinem eigenen Verantwortungsrahmen, mit eigenen Strukturen, Zielen und KPIs. Diese Aufteilung fördert zwar Expertise innerhalb der Funktionen, erschwert aber die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg.
Besonders deutlich zeigen sich die Schwächen dieses Modells in der Produktion: Hier ist die Arbeit meist sequenziell entlang fachlicher Funktionsgrenzen organisiert – z.B. Fräsen, Drehen, Schweißen, Montage. Jeder Bereich hat seine eigene Leitung, eigene Systeme und eigene Prioritäten. Aufträge müssen diese Stationen nacheinander durchlaufen.
Das führt zu
Was früher als Inbegriff von Effizienz galt, wird heute zum Risiko.
Funktionale Organisationen reagieren langsam, fördern interne Reibungsverluste und verhindern kundenorientierte Abläufe. Besonders im High-Mix / Low-Volume Umfeld mit hoher Variabilität stoßen sie schnell an ihre Grenzen, und erzeugen ungewollt White Space – also Zeitverluste, die weder wertschöpfend noch kundenrelevant sind. Gleichzeitig produzieren sie hohe indirekte Kosten.
QRM-Zellen sind funktionsübergreifende Teams, die in ihrem Bereich für eine definierte Produktfamilie oder Kundengruppe vollständig verantwortlich sind. Innerhalb dieser Zellen werden alle erforderlichen Kompetenzen gebündelt, von der Steuerung, der technischen Bearbeitung bis hin Qualitätssicherung. Die Zelle ist dabei nicht nur operativ tätig, sondern auch für Planung, Priorisierung und interne Organisation zuständig.
Typische Merkmale einer QRM-Zelle:
Der Übergang zur Zellstruktur erfordert nicht nur eine neue Organisation, sondern auch eine neue Haltung. Führungskräfte treten aus der Rolle der Anweisenden in die Rolle der Ermöglicher. Sie schaffen Rahmenbedingungen, beseitigen Hürden und fördern Verantwortung in den Teams. Vertrauen, Transparenz und das klare „Why“ des Wandels sind entscheidend für Akzeptanz und Nachhaltigkeit.
Eine typische QRM-Zelle fördert Ownership!
Während viele Unternehmen an ihrer Organisation in der Produktion bereits intensiv arbeiten, bleibt die administrative Organisation oft unberührt, obwohl sie maßgeblich zur gesamten Durchlaufzeit beiträgt. Die Antwort von QRM auf diesen blinden Fleck heißt Q-ROC – Quick Response Office Cells.
Diese organisatorischen Einheiten übertragen das Zellprinzip aus der Fertigung auf Büroprozesse: Angebotsbearbeitung, Auftragserstellung, Arbeitsvorbereitung, Freigaben oder technische Klärungen. All diese Abläufe sind häufig durch Funktionsgrenzen, E-Mail-Flut und unklare Verantwortlichkeiten geprägt, was zu enormem White-Space führt.
Typische Probleme in Büroprozessen:
Q-ROCs als Lösungsansatz
Ein Q-ROC ist ein interdisziplinäres Team, das alle wesentlichen Funktionen in einem Bereich für eine bestimmte Produktfamilie oder Kundengruppe abbildet, analog zur Fertigungszelle. Ziel ist es, administrative Prozesse durch kurze Wege, direkte Kommunikation und gemeinsame Verantwortung massiv zu beschleunigen.
Merkmale von Q-ROCs:
Unternehmen, die Q-ROCs eingeführt haben, berichten von:
Auch hier gilt: Die Q-ROC ist kein Projektteam oder funktionales Team, sondern eine dauerhafte Organisationsform, die Zeitverluste systematisch eliminiert und Kundennähe erhöht.
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Literatur: